10 Fragen an Tatjana Zurkowski | Menschen in Kapstadt

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10 Fragen an Multitalent Tatjana Zurkowski

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10 Fragen an Multitalent Tatjana Zurkowski

Tatjana Zurkowski ist alles in einem: Consultant, Projektmanagerin, Business Coach, Unternehmenstrainerin - und Kapstadt-Bloggerin.

1. Wer bist du? – Beschreibe dich in drei Sätzen.  
Mein Name ist Tatjana Zurkowski. Ich lebe in Hamburg und seit 2013 zeitweise in Kapstadt. Ich arbeite als Consultant, Projektmanagerin, Business Coach und Trainerin für Unternehmen insbesondere im Einzelhandel für Food, Non Food und Bekleidung.  Nach 20 Jahren in einem der weltweit größten Multichannel-Unternehmen in Hamburg, habe ich mein Leben auf Links gekrempelt, bin meiner Leidenschaft gefolgt. Seit 2012 bin ich selbständig.

Mein Freund hatte den Wunsch für eine Zeit nach Kapstadt zurückzukommen. Seit zweieinhalb Jahren leitet er ein von ihm auf der "Grünen Wiese" aufgebautes produzierendes Unternehmen, und wir führen eine Long-Distance-Relationship zwischen Hamburg und Kapstadt.

Interview Deutsche in Kapstadt Tatjana Zurkowski

2. Woher kommst du? 
Ursprünglich komme ich aus Bremen. Aufgrund meines damaligen Jobs bin ich nach Hamburg gezogen. Eine meiner besten Entscheidungen. Ich lebe in unmittelbarer Nähe der Alster in Winterhude.

3. Seit wann bist du Kapstadt-Fan? Und warum eigentlich? Barcelona ist näher und hat auch einen Berg am Meer.  
Seit dem ich 2010 das erste Mal hier war. Mein Freund nahm mich mit in seine alte Heimat, er hat hier einige Jahre gearbeitet und ist fest verankert in Kapstadt.

Ich war erst sehr erstaunt, wie europäisch hier alles ist. Meine Vorstellungen waren von dem Tatsächlichen weit entfernt. Und dann habe ich die Stadt entdeckt, mich auf meine eigene Erlebnistour gemacht.

Was mich vor allem beeindruckt ist die Kreativität in Kapstadt. Zum Beispiel das NAP im Cape Quarter oder der Barnet Fair Barber Shop im Woodstock Exchange. Als ich das erste Mal im Truth war, fielen mir Worte ein wie, Kreativitätsexplosion, Anarchie, Grenzüberschreitung - alles findet hier im besten Sinn statt.

Interview Deutsche in Kapstadt Tatjana Zurkowski

Die vielen Eindrücke haben mich vor zweieinhalb Jahren bewogen meinen Kapstadt-Blog zu erstellen. Hier trage ich meine persönlichen Fundstücke des alltäglichen Lebens, Tipps für Restaurants, Lifestyle oder Touren und natürlich schöne Fotos zusammen. Gerade die Touren haben es mir sehr angetan - abwechslungsreiche Natur, schöne Orte und schräge Begegnungen.

Wir wohnen in Green Point mit einem sagenhaften Blick auf das Meer und auf das Stadion. Sehr lässig ist, dass wir nur wenige Stationen bis zum Beach in Clifton benötigen. Und manchmal, wenn es wieder herrlich stürmisch auf dem Wasser ist, kommt eine salzige, kühle Meeresbriese herüber - die hat man in Barcelona nicht.

4. Was war dein ganz persönlicher Kapstadt-Moment?  
Es war mein erster Besuch in Khayelitsha. Mit unserer Stiftung Roots & Wings Trust unterstützen wir dort ein Projekt in Site C. Ich verbringe im Projekt und in der Umgebung sehr gern meine Zeit. Es macht riesig Spaß mit den Menschen zusammenzuarbeiten. Am Anfang hat es etwas gedauert miteinander Vertrauen aufzubauen. Gelohnt hat es sich: seit dem wird uns viel Offenheit und Herzlichkeit entgegengebracht, es hat sich eine tolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe entwickelt.

Bei unserem Projekt handelt es sich um eine Crèche für Kinder im Alter von 0 bis 5 Jahren mit dem Ziel die Betreuung der Kinder deutlich zu verbessern. So gibt es heute zwei Gebäude, in denen die Kinder altersgerecht in zwei Gruppen eingeteilt sind. Es gibt kindgerechte Waschräume und eine Küche, in der jeden Tag vegetarisches Essen gekocht wird. Aktuell werden bis zu 60 Kinder täglich von vier Lehrerinnen betreut. Unser nächstes Projekt dort wird ein Gemüse- und Kräutergarten sein, der zur Selbstversorgung dient und die Kinder im Umgang mit der Natur bilden soll.

Interview Deutsche in Kapstadt Tatjana Zurkowski

Ein weiterer Moment war, als ich das erste Mal mit den kleinen ständig hupenden Taxibussen gefahren bin. Herrlich damit schnell mal von Green Point nach Sea Point zu gurken.

5. Du bist Trainer und Coach, der Mensch steht bei dir im Vordergrund. Wie setzt du das in Kapstadt um?  
Meine Zeit hier in Kapstadt nutze ich, um für mein Unternehmen BeYourProject Aufträge in Ruhe vor-, aus- und nachzubereiten. Mein Schreibtisch steht aktuell bei gutem Wetter auf der Terrasse. Herrlich in der Sonne unter blauem Himmel zu arbeiten, und eindeutig besser, als im trüben Hamburger November.

6. Was ist das Besondere an deiner Arbeit?  
Wandel und Veränderungen sind beruflich und persönlich immer eine Herausforderung. Das habe ich in meiner langjährigen Berufstätigkeit in dem dynamischen Konzernumfeld vom Distanzhandel zum Global Player im Multichannel selbst erlebt. Ich bin überzeugt, dass Veränderungen das Potential birgt, sich weiter zu entwickeln und zu wachsen. Diese Motivation möchte ich gern Menschen und Unternehmen weitergeben.

Der wesentliche Schwerpunkt meiner Arbeit ist Menschen in ihrem eigenen Veränderungsprozess zu begleiten. Es motiviert mich immer wieder aufs Neue zu sehen, wie sich die Klienten im Laufe eines Coachings weiterentwickeln. Wie sie neue Perspektiven für sich erschließen und damit zufriedener und erfolgreicher in ihrem persönlichen und beruflichen Umfeld werden.

Interview Deutsche in Kapstadt Tatjana Zurkowski

Meine Schwerpunkte Projektmanagement, Führungskräfte- und Karriereentwicklung sowie in der Entwicklung einer Bewerbungsstrategie basieren auf meiner langjährigen Berufserfahrung als Leiterin von internationalen Projekten und als Führungskraft.

Und eine Prise Humor ist für mich unabdingbar für eine gute Beziehung zu den Teilnehmern im Training und den Klienten im Coaching.

7. Was könnten die Deutschen deiner Meinung nach von den Südafrikanern lernen und andersherum?   
Kommunikation ist überall: Ich mag es ja sehr, wenn man sich hier auf der Straße grüßt und freundlich in die Augen lacht. Im Bus wird ständig miteinander geredet, egal wie weit man auseinander sitzt. Das geht dann quer durch den Bus und viele beteiligen sich. Ich hatte das Grüßen mal nach einem längeren KapstadtAufenthalt aus "Gewohnheit" in meiner Straße in Hamburg weitergeführt...der Herr hat verkniffen ein "Guten Tag" herausgepresst, ist zu seinem Haus gegangen und hat sich noch öfter umgesehen.

Das war dann wohl doch zu viel. Ich bin in Deutschland auch noch nicht beim Aussteigen eines öffentlichen Verkehrsmittels mit "take care my darling" verabschiedet worden. Es hebt auf jeden Fall enorm die Stimmung.

Trial-and-Error-Mentalität:  Bemerkenswert finde ich, so erlebe ich es im Township, wie umtriebig hier mit vielen Ideen und Kreativität neue Geschäftsmodelle ins Leben gerufen werden. Gut, dann fehlt allerdings der Plan, die Struktur, und die Idee wird wieder verworfen. Es scheint keine Angst vor dem Scheitern vorhanden zu sein. Von dieser "trial-and-error" Mentalität könnten wir etwas mehr gebrauchen.  
Hand-in-Hand im Township: Was mir hier etwas fehlt, ist das Interesse für die Menschen im Township. Kommt zu uns Besuch aus Deutschland oder der Schweiz, dann sind sie alle neugierig auf das Projekt und kommen gern und helfen auf ihre Weise.

Interview Deutsche in Kapstadt Tatjana Zurkowski

Plastik als Wertstoff: Beinahe jedes Teil wird hier in Plastik eingepackt. Kauft man Fleisch (übrigens bereits schon eingepackt) kommt es noch einmal in eine kleine Plastiktüte. Putzmittel - kommen auch noch einmal in eine selbige Tüte. Dann noch eine Tüte drum herum. Es wird auch immer gefragt, ob man ein plastic bag haben möchte. Meine Idee: diese Frage einfach mal weglassen und offensiv Stoffbeutel anbieten. Wenn dann noch in den Supermärkten Rücknahmestellen für PET-Flaschen stehen und dann noch in den Stadtteilen einige Container für Papier und Flaschen - dann freue ich mich sehr.

8. Wenn du eine südafrikanische Delikatesse wärst, was wärst du dann? Samoosa oder doch ein Pinotage oder was ganz anderes?  
Da wäre ich Bobotie, die Kombination aus scharf mit süßen Rosinen finde ich lecker. Außerdem verbinde ich mit Hackbraten immer eine Art Heimatgefühl. Und Bobotie ist dann hier in meinem Kapstadt-Zuhause das "Ich-bin-Zuhause-Wohlfühl-Gericht".

9. Könntest du dir vorstellen, für immer in Südafrika zu bleiben?  
Mein beruflicher Schwerpunkt liegt in Deutschland beziehungsweise in der DACH-Region.   
Für Unternehmen und NGO´s, die in Kapstadt beziehungsweise Südafrika aktiv werden wollen, biete ich interkulturelle Trainings oder eine entsprechende Beratung an.

Circa 30.000 Deutsche leben dauerhaft in Kapstadt. Als Coach für Themen wie Karriereentwicklung, Konfliktlösung im beruflichen und persönlichen Umfeld oder Bewerbungscoachings für Heimkehrer nach Deutschland ergibt sich ein großes Potential. Sollten mich mehr Aufträge aus Kapstadt erreichen, werde ich sicher öfter hier sein.  Und aufgrund der technischen Gegebenheiten kann heute einfach ein Online-Coaching via Skype und Face Time zwischen beiden Kontinenten durchgeführt werden. Zumal wir mit einer Stunde nur einen geringen Zeitunterschied haben.

Interview Deutsche in Kapstadt Tatjana Zurkowski

10. Hast du noch einen Kapstadt/Südafrika-Geheimtipp für unsere Leser?  
Ich empfehle Kapstadt mit dem Fahrrad zu entdecken. So kann man alle Eindrücke am besten mitnehmen und jederzeit einen Stopp einlegen. Zum Beispiel in Woodstock die weniger schicke Victoria Road herunter fahren bis zur Salt River Road und zurück über die Albert Road mit der Old Biscuit Mill und dem Markt am Samstag. Oder mit dem Fahrrad entlang der Küste nach Camps Bay. Nach Hout Bay kommt man auch ganz hervorragend mit dem MyCiti-Bus und innerhalb der Stadt fahre ich am liebsten mit den kleinen weißen Taxibussen.  
Bin ich im Januar hier, gehe ich auf jeden Fall zum Coon Carnival ins Bo Kaap.

Besonders gern fahre ich auf Entdeckungsreise ins Umland. Der Kracher war Barrydale. Schön ist es in Paternoster, wo wir schon oft das Wochenende verbracht haben.

Bekannt und für den kurzen Tripp immer schön, ist Kalkbay, vor allem das Cape To Cuba und Brass Bell.

Fotos: Tatjana Zurkowski©

 

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