Christin Zacke in Kapstadt | Reisetipps & Blog Südafrika
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Eine Menge Wasser und Regenbögen

Einmal quer durchs Land, von Kapstadt bis nach Tansania und zurück

Liebe Leser,

es ist wieder einmal an der Zeit, euch von meinen Erlebnissen zu berichten. Diesmal handelt es sich weniger um Kapstadt, als um eine Reise quer durch Sambia und Tansania. Die Winterferien boten sich geradezu an, um der Sonne entgegen zureisen. Ich startete meine Reise bei den Victoriafällen, stieg im Norden Sambias in einen Zug, der mich innerhalb von 60 Stunden bis an Tansanias Küste bringen sollte. Nach einer Safari in Nordtansania traf ich schließlich eine Freundin in Daressalam, um anschließend 14 Tage auf Sansibar zu entspannen. Eine Fahrt mit dem Shosholoza-Express von Johannesburg nach Kapstadt beendete meine vierwöchige Reise durch ostafrikanische Gefilde.

Wasser und Regenbögen en masse

"Passengers on the left – please have a look outside the window", so die Ansage des Piloten während des Fluges nach Livingstone in Sambia. Aus dem Fenster schauend, stockte mir fast der Atem – uns bot sich ein unbeschreiblicher Blick auf die Victoriafälle und den Sambesifluss. Aus dieser Perspektive bekommt man die höchsten Wasserfälle Afrikas wohl nur selten zu Gesicht.

Angekommen am Flughafen in Livingstone wurde ich nach dem Erwerb eines Touristenvisums von einem Mitarbeiter meines Hostels empfangen. In Livingstone gibt es nichts weiter Aufregendes - diese Stadt scheint lediglich als Ausgangspunkt für verschiedene Safaris, Adventure-Angebote und zum Besuch der Victoriafälle zu dienen. Ein großer Lebensmittel- und Kunsthandwerkmarkt für die Touristen zieht sich entlang der Hauptstraße. Nach einer kleinen Stadt- und Umgebungserkundung tauschte ich mit anderen Reisenden am Lagerfeuer im Garten der Unterkunft interessante Erlebnisse unserer Reisen aus.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg zu den Victoriafällen. Beide der zu empfehlenden Hostels (Jollyboys und Fawlty Towers) bieten einen kostenlosen Lift zu den ca. 10 Kilometer entfernten Fällen an. Schon am Parkeingang konnte man die Wucht des Wassers hören. Ein paar Meter weiter, eröffnete sich uns der atemberaubende Blick auf die Fälle, die dank einer sehr starken Regenzeit so voll waren wie schon lange nicht mehr. Glücklicherweise hat mir meine Zimmerpartnerin ihr Regencape überlassen – trotz strahlend blauem Himmel und Temperaturen um die 25 - 30°C sollte man nicht darauf verzichten. Durch den Aufprall des Wassers entsteht Sprühregen, der die Besucher bis auf die Knochen durchnässt. Ein weiteres beeindruckendes Mitbringsel der Wassermassen sind die Regenbögen, die sich uns in ihren intensivsten Farben auftaten.

Das Schöne an der sambischen Seite ist, dass man sehr nah an den Abgrund der Fälle herantreten kann – so spürt man die Erde unter seinen Füßen nahezu beben. Von Simbabwe aus soll man wohl einen besseren Überblick über die sich ca. 1,7 km weit ziehenden Fälle haben. Ein Reisender unseres Backpackers meinte allerdings, dass man sich die zusätzlichen Gebühren für das Visum sowie den Eintrittspreis für die Fälle in Zimbabwe sparen könne.

Nach einem wunderschönen kleinen Spaziergang durch regenwaldähnliche Vegetation hin zum Boiling Pot, das Ufer des Sambesiflusses nahe der Wasserfälle, machte ich mich auf den Weg zu der Brücke, die Sambia und Simbabwe in 128 m Höhe über dem Sambesifluss miteinander verbindet. Hier kann man den Adventure-Liebhabern zusehen, wie sie sich am Bungee-Seil in die Tiefe stürzen, und hat dabei einen unglaublichen Blick auf die reißenden Fluten des Flusses.

Nach einem weiteren netten Abend im Hostel nahm ich tags darauf einen Bus, der mich für umgerechnet 8 Euro in die Hauptstadt Sambias, Lusaka bringen sollte. Die acht Stunden Fahrt vergingen wie im Flug und es war sehr interessant, aus dem Fenster zu sehen und die Landschaften und afrikanischen Dörfer zu bestaunen. In Lusaka verbrachte ich die Nacht im Lusaka-Backpackers, welches ich durchaus empfehlen kann. Die Stadt selbst lohnt sich jedoch nicht für einen längeren Aufenthalt. Ich hatte schon ein mulmiges Gefühl im Magen, morgens um fünf im Dunkeln, denn es gibt keine Straßenbeleuchtung und zumeist keine asphaltierten Straßen, den Busbahnhof aufzusuchen. Doch dieser war sehr leicht zu finden – man musste lediglich den Stimmen folgen. Am Bahnhof angekommen konnte ich einen eindrucksvollen Markt erleben, schon jetzt waren die Menschen auf den Beinen und es wuselte und wimmelte nur so, als sei es helllichter Tag. Eingedeckt mit allerlei Obst und Gebäck, ließ ich Lusaka hinter mir. Das Busunternehmen namens Mazahandu Family, mit dem ich auch schon tags zuvor unterwegs war, arbeitet sehr zuverlässig und sicher. Während der kurzen Pausen in kleinen Dörfern bieten die Einheimischen vor allem frisches Obst, Gebäck, gekochte Eier und Getränke zum Verkauf an. 

60 Stunden "on the train

Drei Stunden später sollten wir in Kapiri Mposhi ankommen. Wenige Kilometer entfernt, und nur über eine 'Dirt Road' zu erreichen, ist der Bahnhof New Kapiri Mposhi. Zweimal wöchentlich, dienstags 16 Uhr und freitags 14 Uhr, verlässt der berühmte Tazara Train diese Station. Innerhalb von 48 (plus 10-20) Stunden bringt er die Reisenden in geschlechtergetrennten Abteilen nach Daressalam an der Küste Tansanias. Am Ticketschalter erfuhr ich, dass die Erste-Klasse-Waggons ausgebucht sind und ich mich mit der zweiten Klasse zufriedengeben müsste. Es wäre also doch besser gewesen, die Tickets vorzubuchen. Das geht allerdings nur über das Tazara House in Lusaka oder über ominöse Telefonnummern. Studenten bezahlen übrigens nur den halben Preis – sogar mein abgelaufener Studentenausweis erfüllte hierbei seinen Zweck. So kostete mich die Zugfahrt durch Sambia und ganz Tansania lediglich ein paar Dollar.

Die Wartezeit verkürzte ich mit dem Besuch eines Marktes inmitten eines nahe gelegenen kleinen Dörfchens. Allein der Weg zu dem Marktplatz war ein Erlebnis. Noch an der Straße demonstrierte ich einem Mann, nach was ich suchte. Zielsicher führte er mich in die engen labyrinthartigen Gänge zwischen den Lehmhütten. Vorbei an Frauen, die vor ihren Hütten auf der Erde sitzend Wäsche waschen, Essen zubereiten, sich gegenseitig ihre Haare frisieren, kamen wir irgendwann zu einem kleinen Platz, der das Herzstück der Siedlung bilden sollte. Ein wunderschöner idyllischer Marktplatz mit fast allem, was das Herz begehrt. Mit einer riesigen Melone (für nur wenige Cent) unter dem Arm ging ich zurück zum Bahnhof, an dem sich mittlerweile viele Menschen mit allerlei Gepäck, Kissen und Decken eingefunden haben. Wohl wissend, dass der Zug auch gerne einmal mehrere Stunden Verspätung hat, war ich sehr überrascht, als pünktlich um 13 Uhr die Tore geöffnet wurden.

Missmutig suchte ich meine Kabine auf – die bereits von zwei korpulenten Frauen in Gewahrsam genommen wurde. Ja, der Raum war wirklich schmal, ausgestattet mit sechs Plastikpritschen – jeweils drei übereinander. Kurz mit dem Gedanken spielend eventuell in die Sitzwagen der dritten Klasse zu wechseln, ging ich an den Ticketschalter, um ein letztes Mal auf das Erbarmen des Koordinators zu hoffen. Vor dem Schalter spielten sich jedoch unfassbare Szenen ab – schreiende, sich um die letzten verfügbaren Plätze prügelnde Menschen besiedelten die Bahnhofshalle. Als sich die Keilerei endlich ein wenig auflöste, sah mich der Mann am Schalter bemitleidend an und gab mir ein anscheinend storniertes Bett in einem Viererabteil der ersten Klasse, das ich mir mit zwei kanadischen Reisenden und einer sambischen Frau teilen sollte.

Glücklich über das Erste-Klasse-Ticket, betrat ich unser Abteil, das mit matratzenähnlichen Klappbetten, Bettwäsche, Decken, einer Rolle Toilettenpapier, Seife und einer Flasche Wasser schon bedeutend besser ausgestattet war. Wenige Minuten später – Punkt 14 Uhr – setzte sich der mehrere hundert Meter lange Zug in Bewegung. Eine kleine Erkundungstour führte mich in ein kleines restaurantähnliches Abteil mit einem Fernseher sowie einer „Lounge“ die ausgestattet mit Sofas und einer Bar schon morgens zum Treffpunkt der Männer wurde. Pro Abteil gab es zudem eine östliche Toilette (mit Per-Hand-Spülung, sprich ein Eimer Wasser und ein aufgeschnittener Plastikflaschenboden) und in jedem zweiten Abteil eine Dusche – die ich mir naiverweise schwor, nicht zu benutzen.

Die Mitarbeiter des Restaurants jedenfalls leisteten gute Arbeit. Für umgerechnet zwei Euro bekam man ein vollwertiges Gericht. Dieses bestand zumeist aus Reis, Hähnchen oder Fleisch, gekochtem Gemüse, einer leckeren Soße und Melone zum Nachtisch. Man konnte zum Essen entweder ins Restaurant gehen oder die Bestellung bei einem Mitarbeiter aufgeben, der zu diesem Zweck zu gegebener Zeit von Kabine zu Kabine die Bestellung aufnimmt und das Essen etwa 1 ½ Stunden später in dieselbige liefert.

Nach einem atemberaubenden Sonnenuntergang machten wir uns langsam bettfertig für eine holprige Nacht. Tatsächlich war die Zugfahrt nicht gerade eine sanfte Angelegenheit, was besonders den Toiletten- und Duschgang erschwerte und einige blaue Flecke mit sich brachte.

Ich konnte wundersamerweise sehr gut schlafen – am nächsten Morgen sollten wir erfahren warum. Ein Mitarbeiter weckte uns mit der Hiobsbotschaft, dass der Restaurantwagen über Nacht abmontiert werden musste und der Zug deswegen fünf Stunden stillstand. Schlimmer als die fünf Stunden Verspätung, erschien uns aber die Tatsache, dass es von nun an kein Essen mehr geben sollte. Auch sollten sich die Wasserkanister des Zuges im Laufe des ersten Vormittages dem Ende zuneigen. So hieß es dann: 42 Stunden ohne Wasser und Essen ausharren. Doch die Sorgen stellten sich als unnötig heraus, denn der Zug hielt mindestens einmal pro Stunde an Bahnhöfen, wo zugleich unzählige Menschen an den Zug gestürmt kamen und ihre Waren verkaufen wollten. Es handelte sich dabei vor allem um frische Bananen, Zuckerrohr, Nüsse, gegrilltes Geflügel, Gebäck sowie Getränke und alles für nur wenige Cents.

Am zweiten Abend sollten wir die tansanische Grenze erreichen. Nicht nur die Uhr mussten wir hier um eine Stunde vorstellen – auch die Währung änderte sich. Im Zug wurden ab sofort nur noch tansanische Schilling akzeptiert. Doch genauso unkompliziert, wie die Beamten in den Zug kamen und jedem von uns für 50 Dollar ein Touristenvisum ausstellten, kamen auch Geldwechsler (es empfiehlt sich vorher über den Wechselkurs zu informieren!) und Verkäufer von SIM-Karten in den Zug, während wir am Grenzübergang warteten, bis jeder Fahrgast kontrolliert war. Am nächsten Morgen dann die Überraschung: weitere sieben Stunden Verspätung, aber dafür ein neuer Restaurantwagen sowie Wasser in den Duschen und Wasserhähnen. Nun hatten wir nochmals einen ganzen Tag fahrend durch Tansania vor uns. Anders als in Sambia sprechen die Menschen hier kein beziehungsweise kaum, Englisch. Zum Glück hatte ein Zugbegleiter Erbarmen und unterrichtete mich in dem Grundwortschatz der hier vorrangig gesprochenen Sprache Swahili.

Ich genoss die Zugfahrt wirklich sehr. Vorbei an Regenwäldern, Bananenplantagen, kleinen Siedlungen – es gab immer andere Dinge zu entdecken – nicht zuletzt die einheimischen Kinder, die sich jedes Mal so sehr freuten, wenn man ihnen zuwinkte.

Nur zur Verdeutlichung unter den etwa 800 Fahrgästen war ich einer von sieben Weißen. Es war jedoch äußerst interessant und aufschlussreich, sich mit den einheimischen Menschen im Zug zu unterhalten, vor allem über die Kulturunterschiede und Einstellung zu verschiedenen Themengebieten.

Ich kann die Zugfahrt nur weiterempfehlen und würde keinen Moment zögern, das Abenteuer nochmals auf mich zu nehmen.

von Christin Zacke
 

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